Brauchen wir neue Dating-Regeln?

Das Benehmen beim Online-Dating hat sich verschlechtert: Dating No-Gos wie Ghosting, Benching, Dick-Pics. Warum machen Menschen das? Was richten sie damit an? Wie lässt sich gegensteuern?

Online Dating bietet die Chance, Menschen kennenzulernen, denen man sonst niemals begegnet wäre. Keine Generation vor uns hatte solche Möglichkeiten. Allerdings mehren sich mit den vielen Begegnungen auch jene, die schmerzhaft sind. Je mehr Kontakte wir auf der Partnersuche erleben, umso mehr Enttäuschungen, Zurückweisungen und Trennungen erleben wir. Ghosting, der plötzliche Kontaktabbruch ohne Möglichkeit, einen Grund zu erfahren, ist ein Phänomen, das nach einer aktuellen Parship-Studie bereits 25 Prozent aller Partnersuchenden erlebt haben.

25 % haben bereits Ghosting erlebt

In der Praxis arbeitet der Paartherapeut und Single-Coach Eric Hegmann mit Patientinnen und Klientinnen, bei denen solche Erfahrungen sogar Anpassungsstörungen mit depressiven Reaktionen auslösten. Er sagt, das ist eine gefährliche Entwicklung. Natürlich gab es plötzlichen Kontaktabbruch schon vor Online dating, aber die Fülle der Möglichkeiten sorgt für große Hoffnungen, und umso tiefer ist der Absturz, wenn diese enttäuscht werden.

Ghosting aus Feigheit, vielleicht aus Fahrlässigkeit, aber vielleicht auch aus Vorsatz, weil Kontakte nur zur Selbstbestätigung gesucht werden, können das Vertrauen in neue Begegnungen grundlegend erschüttern und eine Partnersuche erschweren und manchmal auch gänzlich sabotieren.

Also geben Singles geben frühere Verletzungen mit anderen an neue Kontakte weiter?

Eric Hegmann: Unbewusst manchmal, vielleicht auch mit dem Gedanken: Das machen ja alle so. Es ist ganz aufschlussreich: viele, die geghostet wurden, berichten, sie hätten selbst geghostet. Manche sagen, der Geghostete hätte nicht verstanden, dass kein Interesse bestanden hat. Aber die meisten ghosten wohl aus Feigheit, aus Furcht vor der Reaktion des anderen, wenn sie ihre Zurückweisung formulieren. Doch jemanden mit einer Zurückweisung oder Trennung nach drei Wochen wortlos zurückzulassen, sorgt dafür, dass diese oft Wochen und monatelang grübeln, was falsch gelaufen ist, was an ihnen nicht gut genug ist und auch, was mit ihnen nicht stimmt, dass sie die Anzeichen dafür nicht bemerkt haben.

Trauma ist ein häufig genannter Begriff, den mir meine Patienten nennen, auch wenn die psychiatrischen Kriterien für diese Diagnose nicht erfüllt werden. Es fühlt sich aber für viele Betroffene so an: die Erinnerung kommt immer wieder, es gibt Vermeidungsstrategien, manche Ziegen sich völlig zurück und sagen: „Ich kann nie wieder jemandem vertrauen.“

Kann man nach schlechten Erfahrungen überhaupt noch unbefangen online auf Partnersuche gehen?

Eric Hegmann: Nicht selten brechen Betroffene die Partnersuche ab. Sie lassen keine weiteren Kontakte mehr zu, schützen sich durch Checklisten, mit denen sie aussortieren, bis niemand mehr übrig bleibt. Wir führen heute mehr Beziehungen als unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern zusammen. Das heißt, wir erleben mehr Trennungen und Verluste als je zuvor. Und das macht etwas mit dem Bindungsverhalten. Es wird ängstlicher und oder vermeidender. Manche klammern, andere bauen einen Schutzwall um sich herum, den niemand mehr durchdringen kann. Ich rechne damit, dass die Fälle, in denen Betroffene therapeutische Unterstützung benötigen und suchen, zunehmen.

Es sind nicht die Apps, die ghosten, sondern die Menschen

Wie kann man sich aus solchen Mechanismen, die psychisch in einem ablaufen, befreien? 

Eric Hegmann: Therapeutische Unterstützung kann auf viele Arten geschehen. Das wichtigste ist wohl, dass sich Betroffene überhaupt Unterstützung suchen und nicht aufgeben und resignieren.

Ich biete beispielsweise die traumatherapeutische Methode EMDR an, mit der schmerzhafte Erfahrungen neu bewertet werden. Damit ist es möglich, die Schutzstrategien, die für Distanz sorgen und die Partnersuche sabotieren, abzulegen und zu ersetzen mit Werkzeugen, die wieder emotionale Verbindung schaffen.

Es gehört viel Mut und Vertrauen dazu, Mut, sich wieder auf jemanden einzulassen, vertrauen, dass man von schmerzhaften Erfahrungen wieder heilen kann. Die Täter sind meist ja früher selbst Opfer von schmerzhaften Erfahrungen geworden und geben diese nun weiter. Allerdings ist hier der Leidensdruck nicht so groß wie bei jemandem, der beispielsweise geghostet wurde.

Insofern braucht es beim Online Dating beispielsweise Angebote, Kontakte anders zu beenden, respektvoll, emphatisch, mitfühlend. Hier sind erste Bewegungen bei den Anbietern wie Parship, ElitePartner oder Lovoo auch zu erkennen.

Denn das muss man schon auch sagen: es sind nicht die Dating Apps, die ghosten, es sind die Menschen, die das tun. Und die benötigen Alternativen und Motivation, diese Alternativen zu verwenden, damit Dating wieder mehr Freude und weniger Frustration bringt.

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